Warschauer Brücke, S-Bahn und U-Bahn
Die S-Bahn-Trasse mit der Haltestelle Warschauer Straße liegt heute schräg unter der als Warschauer Brücke bezeichneten Eisenbahnbrücke. An dieser Stelle befand sich vor der Errichtung der Brücke das Eisenbahntor in der Zollmauer für die 1842 eröffnete Eisenbahnstrecke nach Frankfurt (Oder). Durch dieses Tor führten 1872 etwa 30 Gleise, die allesamt die Warschauer Straße kreuzten. Der Brückenbau wurde unumgänglich, um sowohl die Straße als auch die Bahnlinie als Verkehrsader nutzen zu können. Bis 1875 war die Brücke fertiggestellt, in den nachfolgenden Jahren wurde sie jedoch immer wieder umgebaut und erweitert. Bis zur Mitte der 1930er-Jahre wurde die Eisenkonstruktion durch den Wasserdampf der Eisenbahnen stark korrodiert, wodurch eine Renovierung notwendig wurde. Diese erfolgte erst am Nordteil der Brücke und wurde durch den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges unterbrochen. Im Jahr 1945 stürzte der bereits neu aufgebaute Teil der Brücke in Folge eines Bombentreffers zusammen und machte die Warschauer Brücke unpassierbar. Erst 1948 konnte sie wieder für den Verkehr freigegeben werden. Eine Generalreparatur erfolgte 1966/1967 in der DDR und eine weitere Stabilisierung und Erneuerung von 1995 bis 1997 mit Unterstützung des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung.
Von der ursprünglichen Bahnanlage sind heute noch das 1895 in Betrieb genommene mechanische sowie das aus den 1920er-Jahren stammende elektrische Stellwerk B9 der Deutschen Reichsbahn vorhanden, beide stehen unter Denkmalschutz. Am südwestlichen Ende der Brücke stand außerdem bis etwa 2004 das 1910 gebaute Empfangsgebäude des ehemaligen Schlesischen Güterbahnhofs sowie das 1900 errichtete, einstöckige Dienstgebäude. Alle Gebäude in diesem Bereich sind inzwischen restlos zugunsten der im Bau befindlichen O2 World beseitigt worden.
An der östlichen Brückenseite befindet sich der S-Bahnhof Warschauer Straße. An dieser Stelle stand bereits von 1884 bis 1903 das erste Bahnhofsgebäude, welches von 1903 bis 1924 von einem Gebäude an der gegenüberliegenden Seite abgelöst wurde. 1924 wurde am ursprünglichen Standort ein neues Empfangsgebäude aufgebaut, konstruiert von Richard Brademann. Das alte Empfangsgebäude und die Bahnsteigzugänge wurden bis April 2005 weitgehend beseitigt. Der endgültige Neubau der Station soll zwischen 2009 und 2012 erfolgen, da der Bau an den Ausbau des Bahnhofs Ostkreuz gekoppelt ist.
Der U-Bahnhof an der Warschauer Brücke wurde am 17. August 1902 in Betrieb genommen, errichtet von Paul Wittig im Auftrag der Firma Siemens & Halske. Sie stellte den Endbahnhof der ersten Berliner Untergrund und Hochbahnlinie, der heutigen U1, dar. Im Zweiten Weltkrieg erheblich zerstört, wurde der Bahnhof wiederaufgebaut. Nach dem Mauerbau 1961 blieb die Station ohne Verbindung an das Restnetz der Berliner U-Bahn geschlossen; eine Lampenfabrik siedelte sich dort an. Seit 1995 fahren die Züge wieder bis zum sanierten U-Bahnhof.
An dem Knotenpunkt Warschauer Straße - dies beinhaltet U-Bahn, S-Bahn sowie Straßenbahn - steigen täglich mehr als 50.000 Menschen um.
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