Als ältester Friedhof wurde ab 1830 der Friedhof II der Domgemeinde genutzt. 1834 folgte der alte Domfriedhof der St.-Hedwigs-Gemeinde und ein Jahr später wurde der Friedhof der Französisch-Reformierten Gemeinde eingeweiht. Diese drei Friedhöfe liegen nebeneinander an der Südseite der Liesenstraße im Bezirk Mitte. 1842 folgte der Bau des Dorotheenstädtischen Friedhofs auf der Nordseite der Straße im Bezirk Wedding.
Friedhof II der Domgemeinde
Der Friedhof II der Domgemeinde zu Berlin wurde 1830 auf einer 10.000 m2 großen Fläche an der Liesenstraße angelegt. Die zugehörige Kirche und Gemeinde befindet sich am Berliner Lustgarten. Der Friedhof sollte den heute nicht mehr vorhandenen Begräbnisplatz in der Elisabethstraße nahe dem Alexanderplatz ablösen, wo auch das ehemalige Domhospital stand. Er ist etwa unter einem Hektar groß und damit der kleinste der Friedhöfe an der Liesenstraße, durch den Mauerbau wurde er weiter verkleinert.
Heute sind die meisten Gräber des Friedhofs zerstört und das gesamte Gelände macht einen stark verwahrlosten Eindruck. Bei fast allen noch vorhandenen Grabsteinen fehlen Porträtmedaillons oder andere Teile. Im Kontrast dazu steht die 1896 erbaute Kapelle des Friedhofs von E. Schwartzkopff, die erst 1992 vollständig renoviert wurde und heute auch von der Französisch-Reformierten Gemeinde benutzt wird.
Friedhof II der Französisch-Reformierten Gemeinde
Der knapp über ein Hektar große Friedhof II der Französisch-Reformierten Gemeinde wurde seit 1835 benutzt und löste damit den alten Friedhof der Gemeinde an der Chausseestraße ab. Eine Kapelle befindet sich heute auf dem Gelände nicht mehr, die zuletzt vorhandene wurde ebenso wie das Haus des Friedhofswärters 1961 mit dem Bau der Berliner Grenzanlagen abgerissen. Der Friedhof besitzt eine zentrale Hauptallee, in deren Zentrum ein Ehrenmal an die gefallenen Mitglieder der Gemeinde in den Kriegen von 1864, 1866 und 1870/71 erinnert, eine Gedenkplatte erinnert zudem an die Toten aus dem Ersten Weltkrieg.
Dieser Friedhof stellt unter anderem die letzte Ruhestätte des märkischen Schriftstellers Theodor Fontane (1819-1898) sowie seiner Frau Emilie (1824-1902) dar. Dieses Grab wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört und später wieder neu angelegt, wobei statt der ehemals vorhandenen schlichten Fußsteine ein Grabstein aus schwarzem Granit aufgestellt wurde. Wie alle anderen Grabstätten der Friedhöfe konnte auch das Grab Fontanes bis 1989 nur mit Passierschein besichtigt werden.
Alter Domfriedhof der St.-Hedwigs-Gemeinde
Der alte Domfriedhof der St.-Hedwigs-Gemeinde wurde 1834 geweiht und löste den ersten katholischen Friedhof am Oranienburger Tor ab, der heute nicht mehr vorhanden und von Mietshäusern überbaut ist. Damit ist dieser Friedhof heute der älteste noch bestehende katholische Friedhof Berlins. Er ist etwa über zwei Hektar groß. 1833 wurde das gesamte Gelände umzäunt und ein Totengräberhaus sowie ein Schuppen erbaut. 1849 wurden hier 429 Opfer der Choleraepidemie begraben, 1866 nochmals 1.111 Opfer der selben Krankheit.
1866/67 wurde die Kapelle des Friedhofs nach dem Vorbild italienischer Renaissancebauten mit Terrakottaformsteinen und einem Kupferdach errichtet. Diese Kapelle wurde 1987 originalgetreu wieder aufgebaut, nachdem sie wegen Baufälligkeit mehrere Jahrzehnte lang nicht mehr benutzbar war. Auf der östlichen Seite der Kapelle befindet sich die Grabstätte der Barmherzigen Schwestern vom Heiligen Karl Borromäus, auf der westlichen die der Schwestern des St.-Hedwigs-Krankenhauses, die beide mit einfachen Marmortafeln bedeckt sind. Ohne Namen befindet sich hier außerdem die Grabstätte der Schwestern von der Heiligen Elisabeth.
Am Eingang des Friedhofs von der Liesenstraße befinden sich zwei kniende Engel aus Marmor, die von Joseph Limburg (1874-1955) geschaffen wurden und gemeinsam mit der Friedhofsgrenze um etwa 40 Meter von der Liesenstraße entfernt wurden. Durch die Einebnung des Mauerstreifens 1961 sowie den Bau der zweiten Mauer 1967 gingen eine Reihe von architektonisch und historisch bedeutsamen Grabstätten verloren, an die heute ein Gedenkstein auf der freien Rasenfläche sowie ein stehengebliebener Mauerrest vor dem Friedhof erinnern.
Eine Reihe von bedeutenden Berlinern wurden auf dem Friedhof beerdigt, deren Grabmäler heute leider nicht mehr vorhanden sind.
Dorotheenstädtischer Friedhof II
Der Dorotheenstädtische Friedhof II wurde 1842 geweiht und sollte den Friedhof der Dorotheenstädtischen und Friedrichswerderschen Gemeinden an der Chausseestraße ablösen. Anders als bei diesem sollten hier jedoch nur Mitglieder der Dorotheenstädtischen Gemeinde beerdigt werden. Durch den Mauerbau wurde der Friedhof von der Gemeinde im Bezirk Mitte getrennt, die Pflege und Weiterführung übernahmen mehrere Kirchengemeinden in Kreuzberg.
1950/51 entstand die Kapelle nach Plänen von Otto Bartning, um einen Ersatz für die Kirche zu schaffen. Bereits 1912/1913 wurde das dreiteilige Tor von Friedrich und Wilhelm Hennings erbaut.
Zu den wichtigsten Grabstätten des Friedhofs gehört das unter Denkmalschutz stehende Mausoleum für den Zirkusdirektor Paul Busch (1850-1927) und seine Frau Barbara Sidonie Busch (1849-1898), welches 1898 von Herrmann Paulick und Felix Voss erbaut wurde. Auch das Grabmal des Firmengründers Rudolph Hertzog (1815-1894) steht unter Denkmalschutz. Außerdem finden sich auf dem Gelände die Ehrengräber für den Physiker August Adolph Eduard Eberhard Kundt (1839-1894), Otto Nicolai, Julius Carl Raschdorff, Ernst Jacob Renz und Albert Schumann (1858-1939).
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