Seit dem Unfall vom September 2006 ist die Strecke ohne gültige Betriebserlaubnis und daher außer Betrieb.
Die Versuchsanlage wird betrieben von der Industrieanlagen-Betriebsgesellschaft mbH (IABG), die seit 1985 mit der Durchführung des Anlagenbetriebs bzw. von Versuchen betraut ist. Ihr Eigentümer ist seitdem die MVP (Versuchs- und Planungsgesellschaft für Magnetbahnsysteme mbH).
Geographie
Die "Transrapid-Versuchsanlage Emsland" liegt im Emsland zwischen den Städten Papenburg im Norden und Meppen im Süden sowie östlich der Gemeinden Dörpen im Norden und Lathen im Süden. Wenige Kilometer westlich verläuft ein Abschnitt der Ems an der Anlage vorbei, südöstlich befindet sich die Hügellandschaft Hümmling. Durch das Gelände führt die Trasse des teilweise fertig gestellten Seitenkanal Gleesen-Papenburg.
Die in der Versuchsanlage befindliche Teststrecke führt durch überwiegend ebenes Gelände, lediglich ihre Südschleife verläuft in den südöstlich von Lathen befindlichen Hengstbergen (bis 42 Meter hoch) durch hügeliges und waldreiches Gebiet.
Jenseits der bzw. parallel zur Ems und Versuchsanlage verläuft in Nord-Süd-Richtung ein Abschnitt der A 31 und diesseits des Flusses in gleicher Richtung ein solcher der B 70, über deren Nebenstraßen man zur Anlage gelangen kann.
Teststrecke
Die Teststrecke der "Transrapid-Versuchsanlage Emsland", die als derzeit längste Teststrecke für Magnetschwebefahrzeuge auf der Erde gilt, besteht aus einem eingleisigen geraden Streckenabschnitt auf einer aufgeständerten Trasse, der dank zweier Endschleifen (Nord- und Südschleife) im Ringverkehr befahren werden kann. Dabei befinden sich am Ende der Geraden zwei Weichen, eine weitere dient der Zufahrt zum Versuchszentrum.
Der gerade Streckenabschnitt ist zwölf Kilometer lang und für Hochgeschwindigkeitsfahrten bis 450 km/h geeignet (Rekordfahrt vom 10. Juni 1993). Der Kurven-Radius der Südschleife beträgt rund 1000 Meter, jener der Nordschleife 1690 Meter, in den Kurven beträgt die Seitenneigung des Fahrwegs zwölf Grad. Auf dem Gelände der "Transrapid-Versuchsanlage Emsland" steht außerdem eine Testhalle sowie das Besucherzentrum.
Geschichte
Bauphase
Die "Transrapid-Versuchsanlage Emsland" wurde unter der Förderung des Bundesforschungsministeriums von 1980 bis 1987 in zwei Bauabschnitten von der Magnetbahnsystemindustrie gebaut.
Mitte 1979 wurde die Planung einer Versuchsanlage aufgenommen. Im Rahmen des Auswahlprozeses wurde eine Anlage entwickelt, die im vorgegebenen Kostenrahmen alle wesentlichen Elemente eines anwendungsnahen Fahrwegs (Neigungen, Krümmungen, Kuppen, Weichen u. a.) enthalten sollte.
In einem ersten Bauabschnitt wurde das Versuchszentrum mit einer Versuchsgeraden, entlang des noch unvollendeten Ems-Seitenkanals und der Nordschleife erreichtet. Mitte 1983 begannen die vorbereitenden Arbeiten an der zweiten Ausbaustufe (Wendschleife Süd).
Am 30. Juni 1983 verkehrte erstmals der Transrapid 06 (ferngesteuert) auf der teilweise fertiggestellten Testanlage. Ende Oktober 1983 schwebte der Transrapid erstmals offiziell auf der Anlage. Zuvor war bereits ein 18,5 m langes Sonderfahrzeug - ein Transportfahrzeug für Personen, Geräten und Material - mit 16 Reifen über die Fahrbahn gerollt. Dieses bis zu 50 km/h schnelle Fahrzeug diente auch dem Räumen von Schnee in Höhe von bis zu 55 cm.
Am 4. Mai 1984 durchbrach der Transrapid 06 mit 205 km erstmals die 200-km/h-Marke. Am 16. August 1984 erreichte der TR 06 257 km/h, am 17. Oktober gleichen Jahres stellte das Fahrzeug mit 302 km/h einen neuen Weltrekord für personenbesetzte elektromagnetische Schwebefahrzeuge auf.
Anfang Dezember 1987 schwebte erstmals ein Transrapid über die Südschleife der Versuchsanlage. Am zweiten Betriebstag stellte die Magnetbahn dabei mit 406 km/h einen neuen Weltrekord für personenbesetzte Magnetschwebefahrzeuge auf. Wenig später erreichte die Bahn eine Geschwindigkeit von 412,6 km/h.
Unfälle
- Ende 2004 kollidierten auf der Teststrecke zwei Werkstattwagen mit ungefähr 60 km/h. Verletzt wurde niemand. Nach diesem Vorfall wurden die Sicherheitsvorschriften verschärft.
- Am 22. September 2006 ereignete sich ein schwerer Unfall mit 23 Toten und 10 Verletzten. Der Transrapid 08 stieß bei der Geschwindigkeit von 162 km/h mit einem von zwei Arbeitern bemannten Werkstattwagen zusammen. Der Werkstattwagen sowie der vordere Teil der Magnetschwebebahn wurden durch den Aufprall völlig zerstört. Die Staatsanwaltschaft ermittelte, dass menschliches Versagen zu diesem Unglück geführt hat. Die Bergung des Unfallzugs wurde zwischen dem 6. und 8. November durchgeführt.
Seit dem Unfall von 2006 ruht der Versuchsbetrieb. Unterdessen haben die Hinterbliebenen der 23 Opfer des Transrapid-Unglücks in Niedersachsen Strafanzeigen wegen fahrlässiger Tötung gegen die Verantwortlichen der Betreibergesellschaft der Teststrecke, IABG, gestellt.
Am 19. April 2007 traf die erste der drei Sektion des ersten Transrapid 09 an der Strecke ein. Am 3. März 2008 wurde eine Teil-Betriebsgenehmigung erteilt, die es erlaubt, den Zug in der Halle zusammenzusetzen und erste Schwebeversuche durchzuführen.
In der Folge des Unglücks wurden rund zwei Drittel der etwa 60 Mitarbeiter zwischen September 2007 und Januar 2008 in Kurzarbeit beschäftigt. Im Dezember 2007 stellte die Betreibergesellschaft einen Antrag für eine erneute Betriebsgenehmigung der Anlage ein. Eine Entscheidung über die Wiederaufnahme des Betriebs soll bis April 2008 fallen.
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Transrapid-Versuchsanlage Emsland aus der freien Enzyklopädie
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