Das Schloss wurde im Auftrag des jüngeren Bruders von Friedrich II., Ferdinand von Preußen, nach Plänen von Michael Philipp Boumann errichtet und 1786 fertiggestellt. Dabei wurden ältere schon vorhandene Gebäudeteile einbezogen. Sein Grundriss ist eine langgestreckte zweigeschossige Dreiflügelanlage bestehend aus dem langgestreckten Hauptbau und den beiden Seitenflügeln (links „Damenflügel“, rechts „Spreeflügel“) im frühklassizistischen Stil. Die insgesamt 19 Fensterachsen des mittleren Flügels gliedert ein dreiachsiger Mittelrisalit mit einem figurenbekrönten Dreiecksgiebel, der auf vier Pilastern im korinthischen Stil ruht. Dort befindet sich heute auch der Haupteingang des Schlosses, der sich früher in den durch einen Fries optisch abgesetzten Ecken der Schlossanlage befand.
Das Innere des Schlosses wurde im Zuge zahlreicher Umnutzungen wiederholt umgestaltet. Die Renovierung im Stil der 50er wurde wegen ihrer ahistorischen Zufügungen und Umbauten als „Mischung aus Filmstar-Sanatorium und Eisdiele“ verspottet und ist ihrerseits großenteils zahlreichen weiteren Renovierungen gewichen. Aus Denkmalschutzgründen werden zwei Salons mit dem dunkelgetäfelten 50er-Interieur erhalten.
Aus der Entstehungszeit ist lediglich der 1791 von dem Architekten Carl Gotthard Langhans entworfene Ballsaal im Obergeschoss des Schlosses erhalten. Die Repräsentationsräume präsentieren sich auch nach der jüngsten Renovierung (2004–2005) im Stil der 80er Jahre, in denen eine behutsame Annäherung an alte Dekorationsformen mit teilweise neuen Materialien versucht wurde.
1994 verlegte der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker den ersten Amtssitz hierher. Von 1996 bis 1998 wurde in unmittelbarer Nachbarschaft nach Plänen der Architekten Martin Gruber und Helmut Kleine-Kraneburg das Bundespräsidialamt errichtet. Roman Herzog war der einzige Bundespräsident, der von 1994 bis 1998 auch selbst im Schloss wohnte. Er soll das Schloss wegen seines schlechten technischen Zustandes und häufiger Pannen von Heizung, sanitären und elektrischen Anlagen bitter-ironisch als „Bruchbude“ bezeichnet haben.
Nachdem sich die technischen Pannen häuften, wurde eine Sanierung und grundlegende Erneuerung der technischen Ausstattung 2004–2005 durchgeführt. Während der Renovierung hatte der Bundespräsident sein Büro in das Bundespräsidialamt verlegt. Anfang Januar 2006 wurde Bellevue dem Bundespräsidenten wieder als Amtssitz übergeben. Wie sein Vorgänger Johannes Rau wohnt auch Horst Köhler nicht im Schloss Bellevue, sondern in einer Dienstvilla in Berlin-Dahlem. Die früheren Wohnräume wurden deshalb zu einem Bürotrakt für die Präsidentengattin umgebaut.
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Schloss Bellevue aus der freien Enzyklopädie
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